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Zusammenhang von AD(H)S und Suchterkrankungen

Fachartikel zum Thema Zusammenhang von AD(H)S und Suchterkrankungen

AD(H)S und die Anfälligkeit für Süchte Inwieweit hängen AD(H)S und die Anfälligkeit für Süchte zusammen? (© ernsthermann - Fotolia.com)

Der Zusammenhang von AD(H)S und Suchterkrankungen wird bisher weitgehend unterschätzt. Vielen Betroffenen ist nicht bewusst, dass eine AD(H)S-Erkrankung das Risiko zur Entwicklung von Süchten erhöht. Neben verhaltenspsychologischen Erklärungsansätzen sind auch neurobiologische Beobachtungen diesbezüglich sehr aufschlussreich. Weshalb also ist das Risiko süchtig zu werden bei AD(H)Slern so stark ausgeprägt und warum setzen Betroffene teilweise gezielt bestimmte süchtig machende Stimulanzien ein, um sich selbst zu behandeln? Der folgende Ratgeber geht den wichtigsten Fragen rund um AD(H)S und Sucht auf den Grund.

Prädisposition von AD(H)Slern zur Sucht

Spielplatz Für Erwachsene, die als Kind an AD(H)S litten oder noch heute daran leiden, besteht ein höheres Risiko, süchtig zu werden. (© eyeQ - Fotolia.com)

Für Kinder mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom, kurz AD(H)S besteht im Erwachsenenalter ein erhöhtes Risiko süchtig zu werden. Doch wie ist das zu erklären?

Suchtanfälligkeit im Erwachsenenalter

AD(H)S gehört zu den häufigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen überhaupt. Etwa drei bis fünf Prozent aller Kinder leiden an einer Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung. Was viele nicht wissen, bei zahlreichen Betroffenen besteht die Krankheit auch im Erwachsenenalter weiter. Es ist bekannt, dass zwischen AD(H)S und anderen Erkrankungen ein Zusammenhang besteht. So sind Betroffene zum Beispiel anfälliger für Angststörungen und Depressionen, wie unter www.adhs-deutschland.de nachzulesen ist. Doch auch das Risiko an einer Sucht zu erkranken, ist im Erwachsenenalter besonders hoch. Circa 4,4 Prozent der Bevölkerung weisen im Erwachsenenalter AD(H)S auf, so die PDF „Empfehlungen zum Umgang mit Suchtkranken bei adultem Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)“. Weiterhin wird dort angegeben, dass sich bei Suchtkranken im Vergleich eine überproportionale Häufung zeigt. So weisen etwa zehn bis 20 Prozent der Drogenabhängigen und acht bis 15 Prozent der Alkoholabhängigen ein adultes ADHS auf. Unter wissensuchtwege.de ist in der PDF „Substanzmittelabhängigkeit und ADHS-Herausforderungen bei der Transition in die Adoleszenz“ zudem nachzulesen, dass rund 55 Prozent der von AD(H)S betroffenen Erwachsenen an Abhängigkeitserkrankungen leiden.

Verhaltenspsychologische Erklärungsansätze

AD(H)S-kranke Jugendliche fangen in aller Regel früher mit dem Konsum von Alkohol und anderen Drogen an, als Gleichaltrige, so der Artikel „Die Begleiterkrankungen bei ADHS“ von adhs-deutschland.de. Zudem konsumieren sie diese Suchtmittel häufiger und kommen schlechter wieder davon los. Wie können diese Beobachtungen verhaltenspsychologisch erklärt werden?

Die Impulsivität eines AD(H)S Erkrankten

Die Impulskontrolle eines AD(H)S-Erkrankten ist unzureichend. Oft verlieren von AD(H)S betroffene Menschen auch bei scheinbar geringfügigen Anlässen die Beherrschung. Diese Impulsivität sorgt dafür, dass AD(H)Sler unbedacht vorgehen und leicht zu beeinflussen sind. Da AD(H)S-Erkrankte den Alltag und die Langeweile nur schwer ertragen, sind sie immer auf der Suche nach neuen Eindrücken. Diese Neugierde gepaart mit der Unvorsichtigkeit sorgt dafür, das AD(H)Sler auch im Umgang mit Drogen waghalsiger und unvernünftiger vorgehen.

Die kurzfristig euphorisierende Wirkung von Stimulanzien

Von AD(H)S Betroffene planen nicht weit im Voraus. Deshalb ist gerade die kurzfristige euphorisierende Wirkung von Drogen so reizvoll für sie. Ihr extremes Wesen ist von der Suche nach mehr getrieben. Normalität und Alltag befriedigen sie nicht ausreichend. Auf ihrer ständigen Flucht vor innerer Leere, die dem Mangel an persönlicher Sinngebung geschuldet ist, suchen sie den kurzfristigen Kick, so der Artikel „ADHS und Sucht“. In den illegalen Substanzen oder auch beim Glücksspiel finden sie diesen. Nur durch einen ständigen Reiz oder auch eine permanente Spannung fühlt sich der AD(H)S-Erkrankte wach und gefördert. Oft steckt dahinter jedoch auch eine Art der Selbstmedikation zur Abschwächung der AD(H)S-Symptome. Darauf wird im weiteren Verlauf des Artikels noch genauer eingegangen.

Verminderte Aufmerksamkeit und unbeherrschtes Verhalten führen zu sozialer Isolierung

Die verminderte Aufmerksamkeit und das unbeherrschte Verhalten vermitteln der Außenwelt den Eindruck, betroffene Kinder und Jugendliche seien nicht interessiert an ihrer Umgebung. AD(H)Sler sind stimmungslabil und sehr oft angespannt. Sie haben hohe Erwartungen an die Welt und werden diese nicht erfüllt, ist extreme Unzufriedenheit die Folge. Dieses Verhalten führt häufig dazu, dass sie sich isolieren und zu sozialen Außenseitern werden. Dies wiederum steigert die Frustration und macht sie für die Entwicklung von Süchten noch empfänglicher.

Soziale Isolierung Soziale Isolierung macht Jugendliche anfälliger für die Entwicklung von Süchten. (© Paolese - Fotolia.com)

Die Rolle der Eltern

Nicht immer erhält ein unter AD(H)S leidendes Kind ausreichend Unterstützung von seinen Eltern, da diese in vielen Fällen selbst mit psychischen Störungen oder Süchten zu kämpfen haben, so die Pharmazeutische Zeitung, welche sich auf den Aufsatz „Epidemiologie und pathogenetische Aspekte von Substanzmissbrauch und –abhängigkeit bei ADHS“ bezieht. Im Interview mit dem Tagesspiegel gibt der Kinderpsychologe Thomas Jans an, dass zusätzlich zum Kind oft auch die Eltern mitbehandelt werden und eine Therapie erhalten. Vor allem, wenn die Eltern selbst an AD(H)S erkrankt sind, fällt es ihnen häufig schwer der Behandlung ihres Kindes genügend Aufmerksamkeit zu schenken.

Übersicht der verhaltenspsychologischen Erklärungsansätze, die dem gesteigerten Suchtrisiko von AD(H)Slern zugrunde liegen.

Der neurobiologische Ansatz

Neben den verhaltenspsychologischen Erklärungsansätzen muss auch der neurobiologische Ansatz Beachtung finden, wenn es um die Gründe für das Auftreten von AD(H)S und dessen Behandlung geht.

Die Rolle des Neurotransmitters Dopamin

Es wird vermutet, dass genetischen Faktoren eine wichtige Rolle bei der Entstehung von AD(H)S zukommt. Im Besonderen werden in diesem Zusammenhang Gene für bestimmte Proteine betrachtet. Diese Proteine wiederum beeinflussen den Kreislauf des Neurotransmitters Dopamin, auch Glückshormon genannt, an der Synapse. Vereinfacht gesagt, bedeutet dies, dass das Dopamin bei AD(H)S-Erkrankten aufgrund genetischer Veränderungen schneller zurücktransportiert wird. Das Dopaminsignal wird deshalb schwächer über die Rezeptoren der Nervenzellen vermittelt. Diese genetisch bedingte Störung des Dopamin-Stoffwechsels beeinflusst die neuronale Informationsverarbeitung. Durch Stimulanzien wird bei der Behandlung von AD(H)S zusätzliches Dopamin freigesetzt, was die Beschwerden des Betroffenen lindert.

PET und fMRT – Die Ergebnisse der bildgebenden Verfahren

Die beiden bildgebenden Verfahren, also die Magnetresonanz-Tomografie (fMRT) und die Positronen-Emissions-Tomografie (PET), ergaben, dass bestimmte Hirnregionen bei AD(H)S-erkrankten Kindern Veränderungen aufweisen. Betroffen sind das Stirnhirn, die für die Bewegung zuständigen Areale der Hirnrinde, der Scheitellappen des Großhirns, das Striatum (ein weiterer Teil des Großhirns) sowie das Kleinhirn. Das Volumen der grauen und weißen Gehirnsubstanz ist bei Kindern, welche von AD(H)S betroffen sind, drei bis fünf Prozent geringer, als bei gleichaltrigen gesunden Kindern. Besondere Erwähnung sollte in diesem Zusammenhang der dorsolaterale präfrontale Cortex finden, welcher bei AD(H)S-Patienten ebenfalls eine Volumenminderung aufweist. Er ist unter anderem für die Planung von Handlungen und die Aufmerksamkeit zuständig. Auch eine Volumenverkleinerung im Nucleus caudatus, welcher unter anderem für die Kontrolle von Impulsen verantwortlich ist, wird mit dem Auftreten von AD(H)S in Zusammenhang gebracht. Lediglich die Volumenminderung des Nucleus caudatus gleicht sich bis zum Erwachsenenalter wieder aus.

Studien deuten auf ein gestörtes Belohnungssystem hin

Eine Volumenabnahme der grauen und weißen Gehirnsubstanz ist, mit Hilfe von bildgebenden Verfahren, bei von AD(H)S betroffenen Erwachsenen weiterhin im orbitofrontalen Cortex nachzuweisen. Dieser steht in engem Zusammenhang mit den Belohnungsprozessen. Das Belohnungssystem im Gehirn ist für positive Gefühle und deren Verstärkung essentiell. Das gute Gefühl, welches etwa nach einer erfolgreichen Tat einsetzt, wird im Gehirn mit Hilfe des Neurotransmitters Dopamin freigesetzt und ist wichtig, für das Erlernen eines Verhaltens. Bisher weisen die Ergebnisse verschiedener Studien darauf hin, dass das Belohnungssystem von AD(H)S-Patienten gestört ist. Das Ärzteblatt bezieht sich in seinem Artikel „ADHS Dopaminstörung im Belohnungssystem“ auf die Forschungen des US-National Institute on Drug Abuse in Bethesda in Maryland. Ihre Studien bestätigten, dass die Signalweiterleitung des Neurotransmitters Dopamin in den Synapsen bei AD(H)S-Patienten vermindert ist.

Darstellung der Übermittlung des Neurotransmitters in den Synapsen Vereinfachte Darstellung der Übermittlung des Neurotransmitters in den Synapsen. (© psdesign1 - Fotolia.com)

Die dort festgestellte Störung des Belohnungssystems muss zwar nicht die Ursache der Erkrankung sein, wohl aber kann sie als Erklärung für die Symptome der Betroffenen herangezogen werden. Die Fehlfunktion des Belohnungssystems könnte auch der Grund für die erhöhte Suchtanfälligkeit der von AD(H)S Betroffenen sein. Wird das Belohnungs- und Verstärkungssystem des Gehirns durch natürliche Reize nicht ausreichend stimuliert, so ist es möglich, die Synapsen beispielsweise durch den Konsum von bestimmten Medikamenten oder Drogen zu reizen.

Das indirekte Sympathomimetika Ritalin – Wirkung und Suchtpotential

Der Störung des Belohnungssystems kann durch die Gabe von indirekten Sympathomimetika entgegengewirkt werden. Methylphenidat (bekannt als Ritalin) ist so ein indirektes Sympathomimetika. Durch die Einnahme von Methylphenidat wird die Dopamin-Störung in denjenigen Hirnbereichen, die für Belohnung, Wahrnehmung und Impulskontrolle zuständig sind, wieder ins Gleichgewicht gebracht. Die Substanz verhindert, dass das freigesetzte Dopamin zu schnell von den Nervenzellen wieder aufgenommen wird und verstärkt damit die stimulierende Wirkung des Neurotransmitters. Doch können diese Stimulanzien selbst ein Suchtrisiko darstellen?
Diese Frage wird in Fachkreisen aktuell sehr kontrovers diskutiert. Die Einnahme von Methylphenidat hat eine Zunahme von extrazellulärem Dopamin im Striatum zu Folge. Durch die Einnahme der Substanz wird also das Belohnungssystem stimuliert. Dieser Faktor wird allgemein als Voraussetzung für das Suchtpotential einer Substanz angesehen.
Klinische Studien hingegen bringen andere Ergebnisse zu Tage. So kann die Gabe von Methylphenidat sogar suchtprotektiv wirken. Zurückzuführen ist dies womöglich darauf, dass die Symptome AD(H)S-erkrankter Kinder, die Methylphenidat kontrolliert verabreicht bekommen, durch die Substanz gemindert werden. Konzentrationsstörungen in der Schule oder Auffälligkeiten im Sozialverhalten, die eine spätere Sucht begünstigen könnten, treten deshalb gar nicht erst so stark auf.
Es ist also bisher ungeklärt, ob die Einnahme von Methylphenidat suchtfördernd oder suchtprotektiv wirkt. Fest steht jedoch, dass die Einnahme mit einer Reihe von Nebenwirkungen einhergehen kann. Detaillierte Informationen sind der PDF „ADS – Medikation Pro und Contra“ der Universität Bielefeld zu entnehmen.

Prävalenz von ADHS und Personen mit Methylphenidatverordnung nach ausgewählten Bundesländern Prävalenz von ADHS und Personen mit Methylphenidatverordnung nach ausgewählten Bundesländern (Statista)

Die Sucht als Selbstmedikation?

Das hohe Suchtpotential von AD(H)S-Erkrankten im Erwachsenenalter wurde bereits erläutert. Doch entwickeln AD(H)Sler auch aus Gründen der Selbstmedikation stoffgebundene oder auch stoffungebundene Süchte. Betroffene erleben meist schon in jungen Jahren eine Verbesserung ihrer Symptome und auch ihres seelischen Befindens durch den Konsum von Stimulanzien.

Die Freisetzung von Dopamin durch unterschiedliche Stimulanzien

Unterschiedliche Stimulanzien vermögen es, den Neurotransmitter Dopamin freizusetzen. Dies können Drogen, wie Alkohol oder Kokain, aber auch nicht stoffungebundene Stimulanzien, wie zum Beispiel das Glücksspiel, sein. Zwar wirken sich die verschiedenen Stimulanzien jeweils auf unterschiedliche Bereiche des Gehirns aus, sie haben aber alle gemeinsam, dass sie bestimmte Zellen, die Dopamin-Rezeptoren auf ihrer Oberfläche tragen, stärker und länger aktivieren.

Die stimmungsstabilisierende Wirkung im Gegensatz zur euphorisierenden Wirkung

Jugendliche auf einer Party Gesunde Jugendliche geben meist an, Drogen aufgrund ihrer euphorisierenden Wirkung zu konsumieren. (© Joshua Resnick - Fotolia.com)

Während gesunde Jugendliche und Erwachsene angeben, Drogen oder andere Stimulanzien vor allem wegen ihrer euphorisierenden Wirkung zu konsumieren, verhält es sich bei AD(H)S-Erkrankten anders. Sie empfinden die Stimulanzien nicht als euphorisierend, sondern als stimmungsstabilisierend. Doch ist diese Selbstmedikation in der Regel zum Scheitern verurteilt, weil die Folgen der Stimulanzien, also zum Beispiel der Drogen, meist schlimmer sind, als die Folgen der AD(H)S-Erkrankung. Die Einstiegsdrogen sind dabei häufig Nikotin und Alkohol, da diese leicht zu beschaffen und zudem legal sind. Doch aufgrund des extremen Verhaltens von AD(H)Slern entwickeln diese schnell eine starke Sucht und rauchen eine Zigarette nach der anderen oder trinken täglich Alkohol. Da AD(H)Sler Schwierigkeiten haben, ein Maß zu finden, können sie grundsätzlich von allem abhängig werden. Deshalb wird sich im Folgenden mit unterschiedlichen substanzgebundenen und nicht substanzgebundenen Süchten auseinandergesetzt.

Die Wirkung von Stimulanzien bei gesunden Personen und Personen mit ADHS. Die Wirkung von Stimulanzien bei gesunden Personen und Personen mit AD(H)S.

Typische substanzgebundene Süchte bei AD(H)Slern

Substanzgebundene Süchte:  Nikotin, Alkohol, Heroin und Kokain. Zu den substanzgebundenen Süchten zählen unter anderem Nikotin, Alkohol, Heroin und Kokain. (© kunertus - Fotolia.com;)

Anbei eine Übersicht über die typischen substanzgebundenen Süchte bei AD(H)S-Betroffenen.

Koffein, Alkohol und Nikotin

Die meisten AD(H)Sler nehmen recht viel Koffein zu sich, wobei sich das Gefahrenpotential dabei in Grenzen hält. In der Regel sind Magenschmerzen oder Übergewicht, zum Beispiel durch täglichen Cola-Konsum, die einzigen negativen Begleiterscheinungen. Die Risiken von Alkohol und Nikotin hingegen sind allgemein bekannt. Da AD(H)Sler zu übermäßigem Konsum neigen, sind gerade diese Einstiegsdrogen für sie so gefährlich.

Nikotin hat die Besonderheit, dass es die Wirkung des Dopamins imitiert und somit regulierend auf die Beschwerden des AD(H)Slers wirkt. Deshalb sind viele von AD(H)S Betroffene starke Raucher, da sie die Zigaretten aus Gründen der Selbstmedikation einsetzen. Nikotin macht sie gelassener, konzentrierter und ruhiger.

Cannabis, THC

Ähnlich verhält es sich mit Cannabis. Diese Droge macht ebenfalls gelassen und entspannt den Konsumenten. Eine „mir-doch-alles-egal-Stimmung“ stellt sich ein. Das Problem ist, dass AD(H)Sler sowieso schon Schwierigkeiten haben, sich zu motivieren, sich auf ein Ziel zu fokussieren und darauf hin zu arbeiten. Der Konsum von Cannabis, welches den Wirkstoff THC enthält, verstärkt dies noch. Ein AD(H)Sler, der Cannabis zum Beispiel während der wichtigen Phase des Schulabschlusses konsumiert, wird deshalb noch mehr Schwierigkeiten haben, sich zu einer sinnvollen Handlung zu motivieren.

Kokain, Heroin und Ecstasy

Die harte Droge Kokain wirkt sich ähnlich auf den Dopaminrezeptor aus, wie es der Neurotransmitter Dopamin selbst tut. Kokain macht zudem stark abhängig. Ecstasy ähnelt in seiner Wirkung dem Methylphenidat. Doch ist bei Ecstasy in der Regel nicht klar, in welcher Dosierung und vor allem in welchem Reinheitsgrad die eigentliche Substanz vorliegt. Gerade unbekannte Beimengungen machen diese Droge so gefährlich. Eine Überdosierung kann zu schweren gesundheitlichen Schäden und sogar zum Tod führen. Genauso verhält es sich mit Heroin. Diese harte und sehr schnell abhängig machende Droge ist meist reich an unbekannten gefährlichen Zusatzstoffen und birgt zudem das Risiko, sich durch die Injektionen mit HIV zu infizieren.

Typische nicht substanzgebundene Süchte bei AD(H)Slern

Es folgt eine Übersicht typischer nicht substanzgebundener Süchte, wobei auf die Spielsucht besonders detailliert eingegangen wird.

Spielsucht zählt zu den nicht substanzgebundenen Süchten. Spielsucht zählt zu den nicht substanzgebundenen Süchten. (© Lsantilli - Fotolia.com)

Arbeitssucht

Wie erwähnt, ist das Suchtpotential bei AD(H)Slern auch bei nicht stoffgebundenen Süchten besonders hoch. Eine Folge kann zum Beispiel die Arbeitssucht sein. Der Betroffene findet kein gesundes Maß und verausgabt sich in seinem Job völlig. Die Konsequenz dieses Handelns ist nicht selten das Auftreten des Burn-out Syndroms.

Aktivitätssucht

AD(H)Sler können nur schwer nichts tun und einfach mal entspannen. Sie sind ständig auf der Suche nach neuen Erfahrungen und Erlebnissen, die sie stimulieren. Eine regelrechte Sucht nach Aktivität kann die Folge sein. Ruhige Momente der Selbstfindung oder der Regeneration werden in solch einem Fall sehr vernachlässigt.

Spielsucht

Besondere Aufmerksamkeit soll in diesem Zusammenhang der Spielsucht zukommen, da diese unter AD(H)Slern sehr weit verbreitet ist. Die kurzfristige und immer wiederholte „Belohnung“ etwa beim Gewinn an einem Spielautomaten oder beim Aufstieg in einen höheren Level auf der Spielekonsole aktiviert das Belohnungssystem des Gehirns. Hinzukommt, dass von AD(H)S Betroffene die Risiken des Spiels nicht einschätzen können, wenn sie gerade mitten im Rausch sind. So setzen sie zum Beispiel beim Glückspiel alles auf eine Karte, obwohl die Gewinnchancen objektiv gesehen nur sehr gering sind.

- Rollenspielsucht
Der ausgeprägte Spieltrieb von AD(H)Slern macht gerade Rollenspiele so interessant für sie. Dort können sie sich selbst immer wieder neu stimulieren und ihr Belohnungssystem somit aktivieren, etwa, wenn sie einen schweren Gegner besiegt haben. Da AD(H)Sler kein Maß kennen, fällt es ihnen sehr schwer, sich von den Computer- oder Konsolenspielen loszureißen. Eine zunehmende soziale Isolierung kann die Folge sein, welche die Spielsucht jedoch nur noch weiter vorantreibt.

- Online-Glücksspielsucht
Online-Glücksspiele sind für AD(H)Sler deshalb so gefährlich, weil sie ihnen die Möglichkeit geben, sich jederzeit und überall selbst zu stimulieren. Der ständige Kick während des Online-Spielens aktiviert das Belohnungssystem und kommt dem Drang des Erkrankten nach ständigem Nervenkitzel entgegen. Geht es bei Rollenspielen nur um Level oder das Besiegen von Gegnern, sind bei Online-Glücksspielen echte Geldgewinne oder eben auch Geldverluste möglich.

- Automatenspielsucht
Die Automatenspielsucht ist die verbreitetste Sucht unter Glücksspielern und somit auch für AD(H)Sler sehr gefährlich. Der Artikel „Glücksspielsucht“ von casinoverdiener.com gibt an, dass rund 70 Prozent aller behandelten Spielsüchtigen den Automaten als einziges Glücksspielmedium benutzen. Dies liegt wohl auch daran, dass Spielautomaten so leicht zugänglich sind. Sie befinden sich nicht nur in Casinos, sondern auch in zahlreichen Gaststätten oder Imbissen. Die hohe Ereignisfrequenz der Automatenspiele macht sie für AD(H)S-Erkrankte so reizvoll. Es steht meist also gar nicht der potentielle Geldgewinn im Mittelpunkt der Betrachtung, sondern der Nervenkitzel des Spiels ist es, der den Reiz für AD(H)Sler ausmacht.

Fazit

Zwischen AD(H)S und dem Auftreten von Suchterkrankungen besteht ein Zusammenhang. Erwachsene, die als Kinder unter AD(H)S litten, haben ein erhöhtes Risiko süchtig zu werden. Studien deuten darauf hin, dass dies, neben verhaltenspsychologischen Gründen, vor allem an einer Störung des Belohnungssystems liegt. Viele AD(H)S-Erkrankte nutzen bestimmte Stimulanzien, wie zum Beispiel Nikotin oder Cannabis jedoch auch zur Selbstmedikation. Haben spezielle Drogen auf gesunde Menschen eine euphorisierende Wirkung, so verwenden AD(H)Sler diese, um ihre Stimmung stabil zu halten. Meist gehen diese stoffgebundenen oder auch nicht stoffgebundenen Stimulanzien jedoch selbst mit teils fatalen Nebenwirkungen einher, weswegen eine Selbstmedikation in der Regel kaum sinnvoll ist. Unklar ist weiterhin, ob das zur Therapie von AD(H)S eingesetzte Methylpenidat das Risiko der Entwicklung einer Sucht verringert oder selbst eine Sucht provozieren kann.

Quellen

www.uni-bielefeld.de/psychologie/ae/AE09/HOMEPAGE/Wild/ADSMedikation.pdf
www.tagesspiegel.de/wissen/adhs-und-eltern-eine-adhs-diagnose-muss-sehr-sorgsam-gestellt-werden/9450328.html
www.aerzteblatt.de/nachrichten/38028/ADHS-Dopaminstoerung-im-Belohnungssystem
www.casinoverdiener.com/glucksspielsucht.php
de.statista.com/statistik/daten/studie/325888/umfrage/praevalenz-von-adhs-und-anzahl-der-methylphenidatverordnungen-nach-bundeslaendern/
www.bas-muenchen.de/fileadmin/documents/pdf/Publikationen/BAS_ADHS_Empfehlungen_2010.pdf
www.adhs-deutschland.de/Home/Begleitstoerungen/Sucht/ADHS-und-Sucht.aspx
www.adhs-deutschland.de/Home/Begleitstoerungen/Die-Begleiterkrankungen-bei-ADHS.aspx
sowiport.gesis.org/search/id/dzi-solit-0164553
www.wissensuchtwege.de/download/WS%206,%2011%20ADHS%20und%20Sucht%20-%20K%C3%B6ln%20M%C3%A4rz%202013%20Endversion.pdf

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