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Migräne

Fachartikel zum Thema Migräne

Kopfschmerzen sind in der Bevölkerung sehr häufig. Unter Migräne leiden allein in Deutschland ca. 10 Millionen Menschen, Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer, die Erkrankung tritt gehäuft zwischen dem 35. Und 45. Lebensjahr auf.
Milliarden werden für Kopfschmerzmedikamente und Kopfschmerzbehandlung ausgegeben und allein in Deutschland sind ca. 6000 – 9000 Patienten wegen Schmerzmittelkonsums dialysepflichtig. Kopfschmerzen können verschiedene Ursachen haben und werden heute nach einer internationalen Klassifikation in 14 unterschiedliche Typen eingeteilt.
Die wichtigsten Formen werden auf diesen Seiten beschrieben. Bestimmte Kopfschmerzformen müssen von den normalen Kopfschmerzen“ unterschieden werden, die zu den Befindlichkeitsstörungen zählen.
Man unterscheidet zunächst primäre Kopfschmerzen, unter denen ca. 90 % der Kopfschmerzpatienten leiden und sekundäre Kopfschmerzen. Zu den primären Kopfschmerzen gehören Migräne, Spannungs-Kopfschmerzen, Cluster-Kopfschmerzen und andere. Sekundäre Kopfschmerzen haben eine andere Ursache, ihnen liegt ein anderes Krankheitsgeschehen zugrunde wie Infektion (z. B. Kopfschmerzen bei einem bakteriellen grippalen Infekt), Blutung im Bereich des Gehirns, Hirndruckveränderung oder Hirntumor.

Migräne

Die Migräne unterscheidet sich durch ihre Erscheinungsformen von „normalen Kopfschmerzen“.

Ursache

Die Ursache ist noch nicht endgültig geklärt. Aufgrund von Positionselektronentomographie-Untersuchungen weiß man heute, dass die Migräneaktivität im Hirnstamm beginnt. Dort ändert sich die Aktivität der Nervenzentren. Dies führt zu einer Freisetzung gefäßaktiver und entzündungsfördernder Substanzen.
Serotonin führt zunächst zu einer Gefäßverengung und Anhäufung der Entzündungssubstanzen(Aura). Diese werden während einer Attacke aus den Blutplättchen freigesetzt. Es kommt zu einer Verminderung der Gehirndurchblutung und zu örtlichen neurologischen Defiziten. Nach der Verstoffwechselung besteht ein Mangel an Serotonin, was die schmerzhafte Gefäßerweiterung auslöst.
Dadurch erweitern sich die kleinen Adern und es kommt zu einer Entzündungsreaktion. Der Schmerz soll ausgelöst werden über eine entzündliche Reizung des Trigeminusnervs. Bei den vom Gefäß freigesetzten Substanzen handelt es sich um Entzündungsmediatoren wie Serotonin, Neurokinin A, Calcitonin Gen related Peptide, vasoaktives intestinales Polypeptid und die Substanz p.
Diese führen zu einer Schwellung der Blutgefäße, zu einer distalen Drosselung der Blutzirkulation und zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit der Gefäße. Die Aura, ein Vorläufer der Migräne, wird auf eine Störung der Hirnrindenareale zurückgeführt. In der Hirnrinde erfolgt auch die Empfindung des Kopfschmerzes. Ein Behandlungskonzept, bei dem man versuchte, die Gefäße zu verengen, um der Erweiterung entgegenzuwirken, war nicht wirksam.
Eine genetische Komponente scheint vorzuliegen, ist jedoch wohl weniger bedeutend als man früher annahm.
Derzeit ist die Hypothese führend, dass es sich bei der Migräne um eine Genveränderung handelt in Strukturen, die für die Ausbildung von Ionenkanälen verantwortlich sind. Würde dies zutreffen, handelte es sich bei Migräne um eine Reizverarbeitungsstörung. Angeblich sollen ca. 20 % der Bevölkerung von dieser genetischen Veränderung betroffen sein. Sie soll sich jedoch nur bei etwa 10 % auswirken, da für das Auftreten der Migräne Auslöser vorhanden sein müssen. Migränepatienten zeigen häufig typische Verhaltensweisen, die sie bei der Auslösung einer Attacke „unterstützen“ wie hohes Verantwortungsgefühl, hohe Stresspegel, ausgeprägte Disziplin oder Festhalten an Details etc. Migränepatienten gewöhnen sich auch schlecht an äußere Reize im Vergleich zu Nichtmigränepatienten( z. B. gleich bleibender Lärmpegel).
Bei Migränepatienten besteht eine Besonderheit der Reizverarbeitung im Gehirn, die kontingente negative Variation(CNV), die zu einer ständigen Überbereitschaft, einer ständigen Hochspannung führt und zu einer mangelnden Ablenkungsfähigkeit bei wiederholten Reizen. Triggerfaktoren sind für die Auslösung eines Migräneanfalles verantwortlich, der schließlich zu einer Gefäßerweiterung führt. Zu Beginn der Migräne in der Phase der Aura besteht jedoch eine Gefäßverengung. Die Hirnzellen sind in dieser Zeit in ihrer Aktivität gebremst, was man auch als spreading depression bezeichnet, eine Senkung der elektrischen Hirnrindenaktivität.

Feststellen der Erkrankung

Ein direkter Migränenachweis ist bis jetzt noch nicht möglich. Es können nur andere Ursachen der Kopfschmerzattacken ausgeschlossen werden. An erster Stelle steht hier die genaue Befragung durch den Arzt, die die typische Krankheitsgeschichte liefert. Eine Hirnnervenuntersuchung bei einem Nervenarzt (neurologische Diagnostik) ist in jedem Fall bei Auftreten einer Aura erforderlich.

Wann wird eine Migräne ohne Aura diagnostiziert? Es müssen mindestens 5 Attacken, die folgende Kriterien erfüllen, vorliegen:

  • die Dauer eines Migräneanfalles beträgt 4 – 72 Stunden, es treten weniger als 15 Anfälle pro Monat auf.
  • Mindestens 2 der folgenden Charakteristika müssen vorliegen:
  • einseitiger Kopfschmerz, pulsierend, mittlere bis starke Intensität
  • Verstärkung durch körperliche Aktivität
    • mindestens eines der folgenden Charakteristika muss vorliegen:
    • Übelkeit oder Erbrechen
      Phonophobie(Geräuschempfindlichkeit) oder Photophobie(Lichtempfindlichkeit).


Der zeitliche Ablauf der Migräne gliedert sich in IV Phasen:

  • I Vorboten: können 1 - 2 Tage vor der Migräne auftreten und bestehen in entweder Müdigkeit, Depression, Reizbarkeit und Denkverlangsamung oder in Rastlosigkeit, Hochstimmung, Kreativität, Schwung.
  • II Aura: kann bis zu 60 Minuten vor dem Anfall vorhanden sein und kann sich durch Sehstörungen, Lähmungen, Missempfindungen, Schwindel, Sprachstörung oder Halluzinationen äußern.
  • III Kopfschmerzphase: sie kann 4 – 72 Stunden dauern, hat einen pochenden, hämmernden Charakter und wird durch Bewegung verstärkt. Sie kann jedoch so schwach sein, dass kaum ein Kopfschmerz wahrgenommen wird(Migräne ohne Kopfschmerz).
  • IV Rückbildungsphase: Sie ist gekennzeichnet durch Erschöpfung, Müdigkeit, Introvertiertheit und Abgeschlagenheit.



Das Migräneintervall zeichnet sich durch die erhöhte Reizbereitschaft, die mangelnde Habituationsbereitschaft für Stimuli und eine mangelnde Entspannungsfähigkeit aus.
Normalerweise besteht ein Gleichgewicht der beiden Nervensysteme Parasympathikus und Sympathikus. In der Vorphase der Migräne überwiegt der Parasympathikus leicht, in der Alarmphase der Sympathikus, in der Erholungsphase der Parasympathikus, bis sich wieder ein Gleichgewicht einstellt.
Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ist eine weiterführende Diagnostik erst sinnvoll, wenn bei typischer Anamnese ohne Hinweis auf symptomatischen Kopfschmerz und unauffälliger neurologischer Untersuchung eine Prophylaxe oder ein Schmerzmittelentzug ohne Erfolg durchgeführt wurden, bzw. sich der Kopfschmerz in seinem Charakter verändert oder eine Schmerzzunahme auftritt. Zur Diagnostik gehört dann ein MRT des Gehirns und eventuell eine Liquoruntersuchung, da in zahlreichen Studien, insbesondere bei übergewichtigen Frauen, eine idiopathische intracranielle Druckerhöhung ohne Pupillenödem gefunden wurde.
Von einer chronischen Migräne spricht man, wenn der Kopfschmerz seit mindestens 3 Monaten an mindestens 15 Tagen pro Monat auftritt.

Beschwerden

Der Hauptunterschied zu „normalen Kopfschmerzen“ besteht in der Heftigkeit der Schmerzen und in den Begleiterscheinungen, die auftreten, weil das vegetative, d.h. von unserm Bewusstsein nicht steuerbare Nervensystem, betroffen ist. Zum Teil kommt es zu Nervenausfallserscheinungen. Auch Vorankündigungen in Form verschiedener Beschwerden, die sog. Aura (in 5 -15 %), können vorhanden sein. Die Aura kann visuelle Erscheinungen hervorrufen wie Flimmersehen oder Gesichtsfeldausfälle, d. h., dass z. B. Gegenstände teilweise nicht mehr gesehen werden. Es können sensible Störungen auftreten wie Kribbeln oder Verminderung der Wahrnehmung im Bereich des Körpergefühls. Es können sogar motorische Probleme auftreten mit Lähmungen. Die Aura beginnt 30-60 Minuten vor Kopfschmerzbeginn bis zum Kopfschmerzbeginn, manchmal auch mit einem erscheinungsfreien Intervall und bildet sich immer zurück. Für die Diagnose einer Migräne muss wenigstens eines der Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu oder Lichtwahrnehmungsstörungen oder eine Geruchsüberempfindlichkeit vorhanden sein. Es gibt sehr viele verschiedenen Formen von Migräne. Die Wissenschaftler sind sich heute sogar einig, dass es eine chronische Migräne gibt. Hierunter versteht man eine Migräne, die an der Hälfte der Tage eines Monats auftritt, wenn keine Medikamente genommen werden.
Fast überwiegend treten die Kopfschmerzen einseitig auf ( in 60 – 70 % ) , dauern unbehandelt 4 Stunden bis zu drei Tagen und sind häufig von Übelkeit, Erbrechen, erhöhter Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet, die Kopfschmerzen haben pulsierenden Charakter und werden bei körperlicher Aktivität verstärkt, sind mittelschwer bis schwer. Die Migräne tritt periodisch auf, d.h. es kommt immer wieder zu Attacken. Migräne tritt auch häufig familiär auf. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Häufigkeit in der Bevölkerung beträgt zwischen 5 und 15%. Schon Kinder können Migräne haben. Kinder von Migränekranken können auch eine abdominelle Migräne entwickeln, die sich nur in Bauchschmerzen äußert. Auch die kindliche Migräne nimmt zu, vermutlich als Folge der Reizüberflutung ( Fernsehen, Computer etc.). Bereits 3-5 % der Jugendlichen leiden unter bedeutsamen Kopfschmerzen. Das Haupterkrankungsalter der Migräne liegt zwischen 15 und 30 Jahren. Verschiedene Auslöser kommen für den Ausbruch der Erkrankung in Frage. Diese Auslöser oder Triggerfaktoren können hormonelle Veränderungen sein (15 % der Migränepatientinnen leiden vor oder während der Menstruation unter Migräne). Es können Veränderungen des Tag-Wach-Rhythmus vorliegen wie z. B- bei Schichtarbeit. Alkohol kann eine Migräne ebenso auslösen wie Wetterwechsel(Druckveränderungen) oder seelische Belastungen (Stress), wobei die Migräne häufig in der Ruhephase nach Einwirken der Stressoren auftritt. Nahrungsmittel, die viel Histamin enthalten wie Rotwein, Käse, Hefe, Sauerkraut, Fischkonserven oder Nahrungsmittel, die die Ausschüttung von Histamin begünstigen wie Alkohol, Erdbeeren, Fisch und Eiweiß können zu einem Migräneanfall führen. Ursache ist das mit den Lebensmitteln aufgenommene Histamin. Dieses wird normalerweise über ein Enzym im Darm, die Diaminoxidase, abgebaut. Bei einer Histamin – Intoleranz besteht ein Mangel an diesem Histamin. Größere mengen von Histamin gelangen dann in den Blutkreislauf und verursachen die verschiedensten Beschwerden. Auch Medikamente, die das Enzym Diaminoxidase blockieren, können einen Migräneanfall auslösen wie z. B. einige Schmerzmittel, Hustenlöser, Schlafmittel, Antibiotika oder Rheumamittel. Auch Magen – Darm – Infekte können das Enzym vorübergehend blockieren und dadurch vorübergehend zu einer Migräneauslösung durch Nahrungsmittel führen. Um heraus zu finden, ob eine Histaminproblematik vorliegt, muss man 4 Wochen lang auf alle Histamin enthaltenden oder Histamin freisetzenden Nahrungsmittel und Medikamente verzichten. Werden hierdurch die Beschwerden gelindert, ist die Ursache bewiesen. Einen zuverlässigen Test gibt es bis jetzt noch nicht ( Liste histamin reicher Nahrungsmittel s. unten ). Ein Aufenthalt in großer Höhe kann ebenfalls einen Migräneanfall hervorrufen. Die Häufigkeit der Migräneattacken schwankt zwischen weniger als 1 bis 10 pro Monat. Die Attacken sind in ca. 30 % stark, in ca. 20 % leicht und bei etwa 50 % mittelstark.
Eine Sonderform ist die Basilarismigräne, die im Bereich des Hirnstammes Störungen hervorruft und mit der Unfähigkeit des Sprechens einhergehen kann, mit Schwindel, Hörverschlechterung, Ohrgeräuschen, Missempfindungen der Hände, Unfähigkeit koordiniert zu gehen bis hin zu Lähmungen im Bereich beider Beine und Bewusstsein Störungen.
Besteht häufige Stresseinwirkung und fehlt die Erholungsphase, kommt der Körper in einen Zustand dauerhafter Alarmphase. Migränepatienten reagieren erhöht auf belastende Situationen, da sie sich ohnehin in einem ständigen „Bereitschaftszustand“ befinden.

Komplikationen

In seltenen Fällen bilden sich die vor der Migräne auftretenden Aura-Beschwerden nicht zurück. Man kann eine Minderversorgung des entsprechenden Hirnabschnittes feststellen (Hirninfarkt). Insgesamt kann man sagen, dass Migränepatienten ein etwas höheres Schlaganfall-Risiko haben. Es finden sich auch zunehmend Hinweise in Studien, dass immer wieder auftretende Migräneanfälle die Erkrankung zunehmend chronischer machen und auch Hirnschädigungen hinterlassen. Vor allem Migränepatienten mit Aura haben anscheinend ein erhöhtes Risiko einer Schädigung, insbesondere, wenn die Migräneattacken häufig auftreten und viele Jahre bestehen. Studien zeigen auch Zusammenhänge mit anderen Erkrankungen. So scheint eine Migränekrankheit häufiger zusammen mit Depressionen, Epilepsie, Fibromyalgie, rheumatischen Störungen, Magen-Darm-Störungen, atopischen Erkrankungen und anderen aufzutreten.

Behandlung

An nicht medikamentösen Behandlungen sind Verhaltensmaßnahmen sinnvoll, die zu einer Vermeidung übermäßigen Stressverhaltens führt. Hierzu ist es wichtig, auslösende Situationen zunächst zu erkennen und sie dann zu vermeiden. Die Patienten sollten ein Schmerztagebuch führen und auf einen gleichmäßigen Tagesrhythmus achten mit gleichmäßigem Schlaf - Wach – Rhythmus, gleichmäßiger Ernährung und Essenszeiten, gleichmäßiger Lebensführung, sollten sich in Geduld üben, Pausen einhalten und auch einmal „5 grade sein lassen“. Sport ist sinnvoll. Entspannungstechniken, regelmäßig angewendet(15 Minuten täglich) sind zu empfehlen.

Bei der medikamentösen Behandlung unterscheidet man eine vorbeugende- und eine Akutbehandlung.

Vorbeugende Behandlung

Bei schweren Migräneanfällen oder sehr häufig auftretender Migräne(3 – 4 Attacken pro Monat, die auf eine Akuttherapie nicht ansprechen oder wenn die Behandlung wegen der Nebenwirkungen nicht vertragen wird) ist eine vorbeugende Behandlung notwendig, um den Patienten ein normales Leben zu ermöglichen. Die Vorbeugung dient dazu, die Attacken weniger stark und weniger häufig auftreten zu lassen, was eine Reduktion von ca. 50 % bewirkt und den Dauergebrauch an Medikamenten zu verhindern. Man hat festgestellt, dass ca. 10 % der Dialysepatienten Migräne haben, was ein dringender Hinweis auf eine Schädigung der Niere durch häufige Benutzung von Schmerzmitteln, insbesondere Nieren schädigenden Schmerzmitteln sein könnte. Zur Vorbeugung stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Am häufigsten werden Betarezeptorenblocker gegeben, da sie auch anderweitige günstige „Nebenwirkungen“ haben können. Siehe auch unter Betarezeptorenblocker Hier kommen z.B. Substanzen wie Propranol oder Metroprolol in Frage, die günstig wirken. Es gibt Hinweise darauf, dass eventuell Coenzym Q10 in einer Dosierung von 3 x 100 mg täglich die Anfallshäufigkeit vermindert.
Flunarizin, ein Kalziumantagonist (s. a. Kalziumantagonisten) und Dopaminagonist in einer Dosierung von 10-15mg pro Tag ist ebenfalls möglich, kann jedoch zu einer Gewichtszunahme und zu parkinsonähnlichen Nebenwirkungen führen.
Serotononintagonisten wie Methysergid in einer Dosierung von 2-6mg pro Tag können erwogen werden.
Auch Serotonin-Wiederaufnahmehemmer kommen zur Vorbeugung in Frage. Derzeit laufen Studien zum Einsatz von Valproinsäure in einer Dosis von 150-200 mg pro Tag, was dann langsam gesteigert werden kann. Diese Therapie ist jedoch noch im Erprobungsstadium. Eine vorbeugende Behandlung sollte ca. ? Jahr durchgeführt werden, danach kann ein Auslassversuch unternommen werden, um zu überprüfen, ob die Behandlung weiterhin notwendig ist. Zu Beginn der Behandlung soll das vorbeugende Medikament eingeschlichen werden, d.h. die Dosis wird zunächst niedrig gewählt und kann bei Bedarf gesteigert werden. Eine Migränevorbeugung gilt als wirksam, wenn sich die Anfallshäufigkeit um ca. 50 % reduziert.

Akutbehandlung

Im Schmerzanfall können zuerst Prokinetika gegeben werden, die die bestehende Übelkeit verhindern und die Magen-Darm-Aktivität fördern, damit die nachfolgend gegebenen Schmerzmittel besser in den Körper aufgenommen werden und besser wirken. Es sollen dabei Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Naproxen, Ibuprofen oder Diclofenac-Kalium verwendet werden. Wirken diese Medikamente nicht ausreichend oder werden nicht vertragen, stehen als neueste Migränemittel Triptane zur Verfügung, die als Serotonin-Agonisten wirken und die entzündlichen Prozesse vermutlich verringern. Diese stehen sowohl als Tabletten, Nasensprays als auch als Spritzen zur Verfügung stehen. Die Ansprechbarkeit der verschiedenen Triptane ist unterschiedlich. Sie haben auch unterschiedliche Wirkdauern, müssen also zum Teil mehrmals gegeben werden. Da sie eine Gefäß verengende Wirkung haben, dürfen sie nicht in der Phase der Aura genommen werden. In ganz seltenen schweren Migräneanfällen können einmal Ergotaminpräparate erwogen werden. Helfen all diese Medikamente nicht ausreichend, kann Novaminsulfon auch als Spritze verwendet werden. Wichtig ist, dass Migränemittel maximal 3 Tage hintereinander und maximal 10 Tage pro Monat eingenommen werden, da auch eine Missbrauchsgefahr besteht und in ca. 20 % der Fälle die Attackenhäufigkeit zunehmen kann. Triptane sollten möglichst zu Beginn der Kopfschmerzattacke angewendet werden, da dann die Wirkung besser ist. Bei Migräneattacken mit Aura muss unbedingt das Abklingen der Aura abgewartet werden. Zur Vorbeugung sind Triptane nicht sinnvoll. Bei lang andauernden Migräneattacken kann es nach Einnahme eines Triptans innerhalb von 24 Stunden zu einem erneuten Anfall kommen. Dann kann eine zweite Dosis(bitte Fachinformation wegen Einhalten der notwendigen Zeitgrenze) eingenommen werden.Wirkt das Triptan nach der ersten Dosis nicht, muss ein anderes Medikament gewählt werden, weil es Non – Responder gibt, bei denen bestimmte Medikamente nicht ausreichend wirken. Kontraindikationen für die Triptantherapie sind Bluthochdruck, KHK, Herzinfarkt, Durchblutungsstörungen(z. B. AVK). Wechselwirkungen mit serotenergen Wirkstoffen und MAO – Hemmern sind zu beachten. Auch eine gleichzeitige Einnahme von Mutterkornalkaloiden ist nicht möglich. Nimmt man ein Ergotaminpräparat ein, darf frühestens 24 Stunden später ein Triptan genommen werden, umgekehrt ist ein Ergotaminpräparat erst 6 Stunden nach Einnahme eines Triptans erlaubt(Ausnahme Frovatriptan:hier ist eine Wartezeit von 24 Stunden notwendig). Werden Triptane eingenommen, wirken sie nach oraler Einnahme nach ca. 45 – 60 Minuten, Naratriptan und Frovatriptan wirken erst nach ca. 4 Stunden, gehen dafür jedoch etwas seltener mit einem Wiederauftreten der Migräne einher Generell sind die Nebenwirkungsgefahren um so höher, je stärker das Triptan wirkt. Ergotamin aus der Gruppe der Mutterkornalkaloide kann bei sehr schweren Migräneanfällen in Frage kommen, sollte jedoch ebenfalls maximal 10 Tage im Monat gegeben werden und an maximal 3 hintereinander folgenden Tagen. Bei ihnen ist das Risiko von akuten Gefäßkrankheiten erhöht. Die Kontraindikationen müssen ebenfalls eingehalten werden. In der Schwangerschaft steht für die Migränebehandlung in den ersten 3 Monaten Paracetamol zur Verfügung, im 2. und 3. Trimenon(Drittel der Schwangerschaft) kann Aspirin eingenommen werden.
Bei der Migräne, die nur während der Menstruation auftritt, kann als homöopathisches Mittel Sepia versucht werden oder, falls die Patientin die Pille einnimmt, nur alle 3 Monate eine Pillenpause eingelegt werden oder 2 Tage vor bis 2 Tage nach der Periode ein Östrogenpflaster in einer Dosierung von 100 mg Estradiol versucht werden, wenn keine Gegenanzeigen hierfür vorliegen.
Bei der chronischen Migräne sind als Akutbehandlung Ibuprofen in Kombination mit Metoclopramid sinnvoll oder Triptane. Zur Migränevorbeugung empfehlen sich Topiramat, Metoprolol, Valproinsäure, Flunarizin oder bei deren Unwirksamkeit Amitriptylin, Venlafaxin oder Gabapentin.
Eine neulich durchgeführte Untersuchung könnte zu der Annahme führen, dass Coenzym Q 10 (besondere Rolle in der mitochondrialen Elektronentransportkette) in der Vorbeugung der Migräne hilfreich sein kann.
In der Studie wurden Patientinnen zwischen 18 und 50 Jahren über 3 Monate mit täglich 400 mg Coenzym Q 10 behandelt. Sie gaben eine deutliche Besserung der Schwere, Häufigkeit und Dauer der Migräneattacken im Vergleich zu Plazebo an. Auch die gesamte Lebensqualität der Patientinnen besserte sich. An Nebenwirkungen trat nur bei 1 Patientin Verstopfung und Bauchschmerzen auf. Jetzt sollten Dosisfindungsstudien bei beiden Geschlechtern stattfinden, um diese Entdeckung zu untermauern.
An Hausmitteln können schwarzer Kaffe, Eisauflage auf Stirn oder Nacken, Zitronensaft und viel Trinken versucht werden. Das Vermeiden der auslösenden Faktoren ist, sofern möglich, zu raten. Entspannungsverfahren sind ebenso gute Möglichkeiten des Stress-Managements wie das Überdenken der eigenen Lebenssituation und Schaffen von „Ruheinseln“, sei dies in Form von sportlicher Betätigung, kreativen Hobbys, kurzen geplanten Traumphasen während anstrengender Beschäftigung, visueller Abschottung o. ä., s. Selbsterfahrungsübungen. Die Akupunktur kann bei der Migräne sehr viel Gutes bewirken. Eine ganzheitliche Behandlung mit Berücksichtigung der Ernährung, des Verhaltens, des Lebensrhythmus, ganzheitlichen Medikamenten einschließlich bestimmter Massageverfahren, homöopathischen Medikamenten, Suche nach Störfeldern(von Elektrosmog bis Nahrungsmittelunverträglichkeiten) ist noch nicht wissenschaftlich gesichert, kann jedoch sowohl der Gesundheit im Ganzen als auch der Behandlung der Migräne zuträglich sein.

Liste histaminreicher Nahrungsmittel

  • Fisch
  • Käse
  • Wurst
  • getrocknetes Fleisch
  • Gemüse ( vor allem Tomaten, Spinat, Auberginen, Steinpilze, Morcheln
  • milchsauer vergorene Gemüse (in Essig eingelegte Gemüse)
  • Ketchup
  • Essig
  • Hefeextrakte
  • Backpulver
  • alkoholische Getränke

Liste Histamin freisetzender Nahrungsmittel

  • Milch
  • Meeresfrüchte
  • Zitrusfrüchte
  • Tomaten
  • Nüsse
  • Alkohol


Liste von Nahrungsmitteln, die andere biogene Amine enthalten und hierdurch Migräne auslösen können

  • Kakao
  • Zitrusfrüchte
  • Bananen
  • Avocado
  • Birnen
  • Pflaumen
  • Soja
  • Nüsse

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