Neue Leitlinie: Harnwegsinfektionen ohne Antibiotika behandeln

Häufigkeit und Ursachen von Harnwegsinfektionen

Etwa 150 Millionen Menschen erkranken täglich weltweit an einer Harnwegsinfektion. Harnwegsinfektionen gehören tatsächlich zu den häufigsten bakteriellen Infektionen. Frauen erkranken häufiger als Männer, was der Anatomie geschuldet ist.

Warum wurde die Leitlinie geändert?

Zunehmend hat die Medizin mit multiresistenten Bakterien zu kämpfen. Das führt dazu, dass oft kaum mehr ein Antibiotikum mehr gefunden wird, das die verursachenden Bakterien abtötet. Besonders schwierig wird es, wenn Krankheiten sehr häufig auftreten und die dafür verordneten Antibiotika deshalb häufig angewendet werden. Dann werden die Bakterien irgendwann immun gegen das Antibiotikum.

Problem der Antibiotikaresistenz

Es droht die Gefahr, dass Ärzte irgendwann keine Option mehr für die erkrankten Patienten haben. Um dem vorzubeugen, wurden die Empfehlungen zur Therapie geändert. Die neue Leitlinie empfiehlt nicht-geriatrischen Patient*innen zur Therapie der unkomplizierten Zystitis nicht-antibiotische Therapien zu erwägen und stellt damit die pflanzliche Behandlungsalternative auf Augenhöhe der Antibiotika.

Unkomplizierte vs. komplizierte Harnwegsinfektionen

Wichtig ist, zwischen unkomplizierter und komplizierter Harnwegsinfektion zu unterscheiden. Von einer unkomplizierten Harnwegsinfektion spricht man laut Leitlinie, wenn keine relevanten Störungen vorliegen wie Nierenfunktionsstörungen, Begleiterkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, anatomische Anomalien, Katheter, Nieren- oder Blasensteine oder Immunsuppression.

Wann keine Antibiotika erforderlich sind

Betrifft die Infektion eine bis dahin gesunde Harnblase bei einem bis dahin gesunden Menschen, kann man von einer in der Regel selbst limitierenden Erkrankung ausgehen, die ohne Komplikationen spontan abheilt. Die Behandlung dient dann nur zur schnelleren Besserung und Linderung der Symptome.

Alternativen zu Antibiotika bei Blasenentzündungen

Anhand einer Metaanalyse von Daten aus dem Jahr 2022 verglich man die Strategie der Gabe eines nicht-steroidalen Antirheumatikums mit einer Dreierkombination eines pflanzlichen Medikaments (Canephron Uno) und Antibiotikum. Das Ergebnis zeigte, dass fast immer das Antibiotikum verzichtbar war.

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