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Akute Pankreatitis = akute Bauchspeicheldrüsenentzündung

Fachartikel zum Thema Akute Pankreatitis = akute Bauchspeicheldrüsenentzündung

Kurz und bündig

Die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung ist eine gefährliche Erkrankung, bei der es zu einer Selbstverdauung der Bauchspeicheldrüse kommen kann.

Die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung kann einmalig oder mehrmals auftreten. Sie führt zu einer Selbstverdauung des Organs durch die Enzyme der Drüse, wobei Wassereinlagerung und Gewebsuntergang auftreten. Durch die Entzündung kommt es zu einer Absonderung großer Mengen von Flüssigkeit in den Darm, das Mesenterium (Dünndarmgekröse) und den Bereich hinter der Bauchspeicheldrüse. Es werden gefäßaktive Substanzen freigesetzt mit Auswirkungen auf den Kreislauf. Die schwere Entzündung kann sich auf die Umgebung ausbreiten und zu einem Versagen aller Organe führen.

Ursache

Die häufigsten Ursachen sind chronischer Alkoholmissbrauch (ca. 40 %) und Gallenwegserkrankungen (ca. 40 %), wobei die durch Alkohol bedingte Bauchspeicheldrüsenentzündung eine schlechtere Prognose hat. Es können jedoch auch Infektionen vorliegen wie z. B. Mumps, Hepatitis, Scharlach, Typhus, eine stumpfe Bauchverletzung, vorangegangene Bauchoperationen, eine ERCP - Untersuchung, Stoffwechselstörungen wie z. B. ein erhöhter Fettspiegel, eine Erhöhung des Parathormons, Medikamente können verantwortlich sein wie Östrogene, Furosemid, Sulfonamide, Tetrazykline, Azathioprin, 6- Mercaptopurin u.a.

Feststellen der Erkrankung

Die Diagnose wird durch eine Blutuntersuchung der Bauchspeicheldrüsenenzyme und eine Ultraschalluntersuchung der Bauchspeicheldrüse und der Gallenblase sowie Gallenwege gestellt. Manchmal ist zusätzlich die Durchführung einer Endosonographie notwendig, mit der sich Gallensteine im Bereich des Ausführungsganges der Gallenblase sicherer nachweisen lassen, nach 7 - 10 Tagen kann eventuell auch eine CT - Untersuchung sinnvoll sein. Die Enzyme Amylase im Blut sind nach 2-4 Stunden, Lipase, die spezifischer ist, nach 12-14 Stunden erhöht. Dieser Wert ist für die Diagnosesicherung von größter Bedeutung. Die alleinige Lipase - Bestimmung (bei 3 facher Erhöhung des Wertes ist eine Bauchspeicheldrüsenentzündung zu 82 - 100 % wahrscheinlich) ist ausreichend für die Diagnostik. Die Höhe des Wertes sagt jedoch nichts über den Schweregrad der Entzündung aus. Es kann bei einem schweren Zelluntergang der Bauchspeicheldrüsenzellen sogar zu einer raschen angeblichen Normalisierung des Wertes kommen. Gleichzeitig steigen Entzündungswerte im Blut, eventuell Blutzucker und Leberwerte an, Kalzium kann ebenso absinken, der Hämatokrit kann durch Flüssigkeitsverluste z. B. aufgrund eines Ausschwitzens von Gewebeflüssigkeit ansteigen. Steigt auch das Methämoglobin im Serum über 5 mg %, spricht dies ebenso wie eine CRP - Erhöhung über 15 mg/dl für eine nekrotisierende Pankreatitis mit einer hohen Sterblichkeit um 20 %, während die ödematöse Pankreatitis eine Sterblichkeit von 1 % aufweist. Über den voraussichtlichen Verlauf einer Pankreatitis kann der Arzt frühestens nach 2 Tagen eine Aussage treffe, da auch der CRP - Anstieg erst nach dieser Zeit eine ausreichende Aussage erlaubt. Ein wichtiger Hinweis kann der Schmerzbeginn sein, da Patienten mit schwerer nekrotisierender Bauchspeicheldrüsenentzündung den Arzt häufig innerhalb der ersten 24 Stunden nach Schmerzbeginn aufsuchen. Steigen weder der Blutzucker über die Norm noch der Hämatokrit, ist dies zumindest ein gutes Zeichen, da ein Blutzucker über 125 mg/dl oder ein Hämatokrit über 43 % beim Mann bzw. 39,6 % bei der Frau bereits mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für eine schwere Form der Pankreatitis sprechen. Negativ wirken sich auch eine Leukozytose von mehr als 16 g/dl aus, ebenso ein Alter über 55 Jahre, ein BMI über 30, eine Serum - Kalium - Konzentration unter 2 mmol/l und eine Lactatdehydrogenase über 350 U/l. Wichtig ist die Klärung der Frage, ob eine biliäre Pankreatitis vorliegt, da man dann eine zielgerichtete Therapie durchführen kann. Hierbei sind einige Laborwerte wie Gamma-GT, Bilirubin und Transaminasen von Bedeutung. Liegt der GPT - Wert 300 % über der Norm, spricht dies mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % für die biliäre Form der Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Beschwerden

Es treten heftige, meist akut einsetzende Oberbauchschmerzen auf, die gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen können. Häufig bestehen Übelkeit und Erbrechen, ein aufgeblähter Bauch, der Darm arbeitet wenig oder gar nicht, es besteht Fieber bis 38,5 Grad C rektal ( im Darm gemessen ).
Da wiederholte Schübe einer Bauchspeicheldrüsenentzündung eher leichter verlaufen, ist es sehr wichtig, frühere Bauchspeicheldrüsenentzündungen zu erfragen, da der erste Schub häufig sehr gravierend ist. Selten treten um den Nabel herum(Cullen - Zeichen) oder im Flankenbereich (Grey - Turner - Zeichen) bläuliche oder bräunliche Verfärbungen auf. Diese deuten auf einen schweren Verlauf hin. Für den Arzt feststellbar ist der „Gummibauch“.

Behandlung

Eine akute nekrotisierende ( schwere Form mit Gewebszerfall ) Bauchspeicheldrüsenentzündung muss auf der Intensivstation der Klinik, die ödematöse Form kann meistens auf einer Normalstation behandelt werden. Zunächst darf keinerlei Nahrung oder Getränk aufgenommen werden, d. h., dem Patienten werden Flüssigkeit und Nährstoffe kontrolliert über eine Infusion zugeführt, da jede Nahrungsaufnahme die Bauchspeicheldrüse zu vermehrter Produktion anregt und weiter gefährdet. Da in den Blutgefäßen häufig ein Flüssigkeitsmangel vorliegt, muss viel Flüssigkeit zugeführt werden. Mit dem PiCCO - System, einem speziellen Messverfahren, kann der Flüssigkeitsbedarf heute gut festgestellt werden. Wegen der Schmerzen werden Schmerzmittel benötigt. Infektionen müssen durch vorbeugende Maßnahmen verhindert werden. Steigt der Blutzuckerspiegel beträchtlich, muss Insulin gegeben werden. Nur bei absoluter Dringlichkeit kann der Versuch einer Operation unternommen werden. Sie ist mit einer hohen Sterberate verbunden. Eine Alternative kann eine Punktion und die Einlage von Drainagen sein. Frühzeitig muss herausgefunden werden, ob die Ursache durch einen Gallenstein bedingt ist, da dann endoskopisch der Stein entfernt werden kann. Ein Steinnachweis gelingt meistens bereits mit der Ultraschalluntersuchung der Gallenblase. Bei der nekrotisierenden Form der Bauchspeicheldrüsenentzündung konnte durch die Gabe eines Antibiotikums sowohl die Sterblichkeit als auch die Komplikationsrate reduziert werden, bei der ödematösen Form der Bauchspeicheldrüsenentzündung ohne Gallengangsentzündung ist dies nicht erforderlich Als Antibiotikum kommt ein pankreasgängiges Medikament wie z. B. Imipenem in Frage. Studien hierüber liegen jedoch nicht vor. Zur Schmerzbekämpfung sind meistens Opiate erforderlich, die jedoch die Darmlähmung noch verstärken können. Eine totale Ernährung unter Umgehung des Magaen - Darm - Traktes (Infusion) sollte aufgrund des Infektionsrisikos so kurz wie nötig erfolgen. Da an der Entstehung der Bauchspeicheldrüsenentzündung freie Radikale beteiligt sind, die zu einer Lipidperoxidation führen und die Glutathionperoxidase, die Selen abhängig ist, dazu führt, dass reakative Lipidperoxidasen nur noch unzureichend verstoffwechselt werden, kann Selen therapeutisch eingesetzt werden. In klinischen Studien konnte man bei zusätzlicher Gabe von 500 - 2000 µg Selen pro Tag eine deutliche Erniedrigung der Sterberate erreichen.

Komplikationen der Erkrankung

Gefürchtet sind die Verbrauchskoagulopathie, eine Gerinnungsstörung, Blutungen im Bereich der Bauchspeicheldrüse oder des Magens bzw. Darms und ein Bauchspeicheldrüsenabszeß. Es kann zu einer Hyperglykämie ( Überzuckerung im Blut ), einem Abfall des Kalziums im Blut, einer gestörten Nierenfunktion, einer akuten Atemstörung, zu Bauchwasser ( Aszites ) oder Wassereinlagerung in die Lunge und zu einem Kreislaufschock kommen.

Maßnahmen nach abgelaufener akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung

Bei günstigem Verlauf kann nach einigen Tagen auf vorsichtige Gabe einer leichten Kost und Tee umgestellt werden. Es folgt dann ein langsamer Nahrungsaufbau. Schwer verdauliche Speisen dürfen 1 – 2 Monate nicht gegessen werden. Die Ernährung muss fettarm sein. Bei der leichteren Form der Bauchspeicheldrüsenentzündung muss auf Alkohol 6 Monate lang verzichtet werden, bei der schwereren Form lebenslang. Wichtig ist die Vermeidung einer erneuten Erkrankung. Anfangs werden Bauchspeicheldrüsenenzyme zur besseren Verdauung verabreicht. Später sind diese meist nicht mehr notwendig. War ein Gallenstein Auslöser der Bauchspeicheldrüsenentzündung, muss dieser baldmöglichst entfernt werden.

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