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übermäßiges Schwitzen = Hyperhidrosis

Fachartikel zum Thema übermäßiges Schwitzen = Hyperhidrosis

Immer wieder kommen Patientinnen oder Patienten zum Arzt, die sich durch übermäßiges Schwitzen stark beeinträchtigt fühlen. Erst neulich stellte sich eine Patientin mittleren Alters sehr verzweifelt vor. Sie habe beruflich eine führende Position, sei täglich mit Menschen zusammen, es werde viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild gelegt und sie habe ständig nasse Hände und Füße, schwitze am Hinterkopf und vor allem unter den Achseln. Die hässlichen Schweißränder unter ihren Blusen seien für sie ein wirkliches Problem und sie wisse sich nicht mehr zu helfen. Ihr Selbstbewusstsein leide extrem sowohl beruflich als auch privat und sie habe sich jetzt entschlossen, nach der Ursache suchen zu lassen und sei auch bereit, sich notfalls operieren zu lassen. Nach genauerem Befragen leidet die Patientin schon immer unter stärkerem Schwitzen, es habe jedoch deutlich zugenommen und sei noch nie so extrem gewesen wie jetzt. Natürlich sei sie oft gestresst, in Zeitdruck oder habe Lampenfieber, aber solche Schweißränder sehe sie bei anderen nie und die hätten vermutlich nicht weniger Stress.
Wir erklären der Patientin zunächst, dass man zwischen generealisiertem und fokalem Schwitzen unterscheidet. Ihr Schwitzen ist fokaler Natur und spricht in erster Linie für emotionales Schwitzen, denn bei diesem tritt das Schwitzen vor allem an Händen, Füßen, unter den Achseln und am Kopf auf. Es gebe jedoch auch Hinweise auf primäres Schwitzen, das in ca. 3 % der Fälle ohne weitere Ursache auftritt und zum Teil auch genetisch sein kann. Sekundäres Schwitzen hingegen hat eine Krankheit zur Ursache. Tritt es generalisiert auf, muss man an Hormonstörungen im weitesten Sinne denken wie z. B. Schilddrüsenüberfunktion, Menopause, Phäochromozytom, Akromegalie, an neurologische Ursachen wie z. B. Parkinson, an bösartige Erkrankungen, an Medikamentennebenwirkungen, Vergiftungen oder Entzug abhängig machender Substanzen.
Wir untersuchen die Patientin und erheben eine genaue Anamnese. Die Blutuntersuchung einschließlich Schilddrüsenwerte und Hormondiagnostik bleibt unauffällig. Es findet sich kein Hinweis auf eine Erkrankung. Wir erklären ihr, dass Schwitzen ein natürlicher Vorgang ist, der sehr komplex über das Gehirn gesteuert wird und die Aufgabe hat, die Körperkerntemperatur auf 37 ° C zu halten. Während das emotionale Schwitzen hauptsächlich über das limbische System gesteuert wird und auf Stress und seelische Reize reagiert, um uns eine Rückmeldung über unseren seelischen Zustand zu geben, reagiert das thermoregulatorische Schwitzen auf Änderungen der Temperaturregulation und wird überwiegend über den Hypothalamus gesteuert. Beide Systeme sind jedoch wiederum komplex miteinander verflochten und nicht völlig zu trennen. Ein Unterschied besteht im Bereich der Durchblutung. Während sich beim thermoregulatorischen Schwitzen die Blutgefäße erweitern und damit die Wärmeabgabe über die Haut fördern, verengen sie sich beim emotionalen Schwitzen aufgrund der Adrenalinausschüttung.
Da die Patientin lokalisiert schwitzt, schlagen wir ihr eine Therapie mit Aluminiumchlorid für Hände und Füße und nachts für die Achseln vor. Tags empfehlen wir ihr das Tragen von Achselpads, da diese den Schweiß aufsaugen und damit die störenden Schweißränder verschwinden. (Beispielsweise hier online erhältlich) Außerdem wird die Patientin zunächst hochdosiert mit Salbei behandelt. Sie soll Kaffee, Alkohol, Nikotin und scharfe Speisen meiden und einen Kurs für autogenes Training besuchen und in ihrer Freizeit für Entspannung sorgen. Wechselduschen sollen helfen, ihre Gefäßregulation zu trainieren. Sämtliche Möglichkeiten des Stressmanagement sind zu überdenken.
Erst, wenn diese Maßnahmen nicht erfolgreich sind, werden wir die Therapie intensivieren. In Frage kommen Medikamente, die zwar die Schweißsekretion hemmen, jedoch nicht selten mit Nebenwirkungen wie z. B. Mund - oder Augentrockenheit verbunden sind, das Spritzen von Botulinumtoxin, schließlich auch operative Verfahren wie z. B. Sympathektomie oder das Entfernen der Schweißdrüsen. Diese Möglichkeiten bleiben jedoch schweren Fällen vorbehalten, da sie auch mit Risiken verbunden sind. Hände und Füße könnte man noch mit Jontophorese behandeln. Dieses Verfahren ist wirksam, aber zeitaufwändig.
Die Patientin stimmt mit uns überein, dass zunächst alles versucht werden sollte, was sie nicht gefährdet, langfristig ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen fördert und mit wenig Aufwand verbunden ist. Über die Möglichkeit, ihre Schweißränder unter den Achseln zu beseitigen, ist sie sehr glücklich.

Erfahrungsberichte zum Thema übermäßiges Schwitzen = Hyperhidrosis

  • Neuester Erfahrungsbericht vom 02.06.2018:

    Hallo liebes Team,
    Ich leide seit 2 Monaten an starkem nachtschweiß! Ich hatte eine heftige Bronchitis mit hohem Fieber die mich ca. 2 Wochen außer Gefecht gesetzt hatte! Kurz vor abklingen dieser Bronchitis ging es mit dem nachtschweiß los! Ich muß ca 1-2 das T-Shirt wechseln in der Nacht! Hauptsächlich im Hals und Brustbereich! Blutbild gibt nichts auffälliges her und zweimalige Antibiotika über jeweils eine Woche brachte auch keine Besserung! Ich fühle mich eigentlich gut! Dazu muss ich sagen ich habe bronchialasthma! Bitte helft mir ich habe schon Panik das es etwas schlimmes wie hiv oder Krebs ist!

    Lieber Herr N.,

    es muss nach einem Infekt nichts Ungewöhnliches sein, dass man noch eine Weile unter Nachtschweiß leidet. Wenn im Blutbild CRP, Differentialblutbild und Schilddrüsenwerte in Ordnung sind, empehlen wir noch eine Immunelektrophorese und einen Ultraschall des Bauchraumes. Wenn sich dabei nichts ergibt und Sie sich gut fühlen, können Sie noch 2 - 3 Wochen zuwarten. Hört es dann auch nicht auf, ist ein internistischer Ganzkörpercheck sinnvoll. Liebe Grüße

    Ihr Biowellmed Team
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