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Wachstumsstörungen

 
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Wachstumsstörungen

Ein kleines Mädchen kam zu uns zur Vorsorgeuntersuchung. Sie ging in den Kindergarten und war 4 Jahre alt. Die Eltern waren sehr besorgt, weil sie die kleinste ihrer Altersgruppe war. Die Größenmessung ergab tatsächlich ein Wachstum, das unterhalb der 3. Perzentile lag. Die Mutter kam aus einer eher kleinwüchsigen Familie und war 160 cm groß, der Vater aus einer Familie, in der es Normalwüchsige und Großwüchsige gab. Er war 180 cm groß. Wir führten eine Routineuntersuchung einschließlich Kontrolle der entsprechenden Blutwerte durch. Alles lag im Normbereich. Wir vereinbarten deshalb zunächst eine Kontrolle der Größe in vierteljährlichem Abstand. Das Kind wuchs in etwa parallel, lag jedoch ständig zu niedrig. Das Mädchen wurde deshalb von ihren Altersgenossen bereits gehänselt. Dies vergrößerte die Sorge der Eltern, so dass wir uns zu einer Spezialuntersuchung an der Universitätsklinik entschlossen. Dort stellte man ein verzögertes Knochenwachstum fest und einen zu niedrigen Wachstumshormonspiegel und vereinbarte jährliche Kontrollen. Diese wurden auch gewissenhaft durchgeführt. Das Kind ging inzwischen in die Schule, war eine sehr gute Schülerin, hatte keine Kontaktprobleme, wurde auch nach und nach von ihren Schulkameraden so akzeptiert wie sie war, litt jedoch darunter, dass es von Fremden immer viel kleiner eingeschätzt und damit auch oft unterschätzt oder belächelt wurde. Die Eltern bemühten sich sehr, ihrem Kind den Rücken zu stärken, indem sie seine Vorzüge hervorhoben, ihm Beispiele von berühmten Persönlichkeiten aufzeigten, die ebenfalls klein waren und mit ihm Abwehrmöglichkeiten durchsprachen, wenn es gehänselt wurde. Dennoch tat sich das Mädchen schwer mit seiner Größe, insbesondere, als die Klinik die wahrscheinliche Endgröße auf 150 cm schätzte und mit den Eltern eine Behandlung mit Wachstumshormon diskutierte. Man riet eher ab, da man von einer Entwicklungsverzögerung bei ohnehin familiärem Kleinwuchs ausging und auf mögliche Nebenwirkungen des Wachstumshormons und die Problematik der lang dauernden Behandlung hinwies. Nach langer Überlegung entschieden sich die Eltern gegen die Wachstumshormonbehandlung und förderten das Mädchen so gut es ging in seiner Entwicklung und versuchten, sein Selbstbewusstsein zu stärken. Das fiel ihnen oft nicht leicht und sie litten mit dem Kind und waren immer wieder unsicher, ob sie den richtigen Weg gewählt hatten. Inzwischen macht das Mädchen Abitur, ist 159 cm groß und wird vermutlich die sehnlich erhofften 160 cm noch erreichen. Die junge Dame hat sich inzwischen mit ihrer Größe arrangiert, wenngleich sie gerne ein paar Zentimeter größer wäre. Sie ist wohl proportioniert und hübsch und ihre Größe spielt inzwischen keine Rolle mehr. Vielleicht hätte das Wachstumshormon ein paar Zentimeter Größe gebracht, gleichzeitig jedoch auch eine langwierige und nicht gerade angenehme Behandlung und einige Risiken. In diesem Falle war die Entscheidung sicher richtig so wie sie getroffen wurde, wenn sie auch nicht immer einfach für die Eltern war. Es gibt eben Probleme, die Eltern zusammen mit ihren Kindern durchstehen müssen. Wäre der Fall als klarer Wachstumshormonmangel eingeschätzt worden, hätten die Spezialisten sicher eher zu einer Behandlung geraten. Dass sie sich um fast 10 cm verschätzt haben, bedeutete für die Familie harte Jahre, war jedoch letztendlich ein Glück
 
 
 
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